Vereinsportrait

Vereinsportrait: VAFK berlin-Brandenburg e.V.

Den Verein Väteraufbruch für Kinder Berlin-Brandenburg e.V. habe ich über den engagierten Schatzmeister kennengelernt, der regelmäßig an Neukölln VEREINt Veranstaltungen teilnahm. Für das Vereinsportrait traf ich mich mit dem Vorstandsmitglied Alexander Hahn.

 

Wie ist euer Verein entstanden?

1988 hat sich der bundesweite Verein gegründet, nachdem immer mehr Väter unzufrieden waren, dass nach Scheidungen das Sorgerecht nur an die Mutter ging. Das wurde 1989 dann als verfassungswidrig erklärt, aber trotzdem hat sich nicht viel an der Zuweisung des Sorgerechts geändert – aus dieser Unzufriedenheit heraus ist der Verein entstanden. Unseren Landesverein gibt es seit 1991.

Was würdest du sagen, ist euer Alleinstellungsmerkmal?

Fachlich: Wir haben jahrzehntelange Erfahrung und hohe fachliche Expertise mit strittigen Eltern in Trennung und Scheidung und verstehen, wie es den Menschen dabei geht. Darum können wir zielgerichtet helfen – Vätern, Müttern und auch weiteren Familienangehörigen, die sich für die Kinder einsetzen wollen.

Im Bezug auf den Verein: Wir haben eine bunt gemischte Mitgliederstruktur: Väter, Mütter und Menschen unterschiedlicher sexueller Identitäten und Orientierungen und unterschiedlicher Altersgruppen mit unterschiedlichen Bildungs- und Einkommensniveaus – vom Hartz 4 Empfänger bis zum Millionär ist alles dabei.

Wieviele Mitglieder habt ihr?

Bundesweit rund 4.000, davon sind ca. 10% Frauen
In unserem Landesverband haben wir rund 300 Mitglieder.

Unter den Mitgliedern sind nicht nur Väter oder Mütter, sondern auch Freunde von Betroffenen oder Jugendamtsmitarbeiter*innen, die das Thema zwar nicht beruflich, aber eben im Rahmen einer Vereinsmitgliedschaft auch fachlich unterstützen können.

Wieviel Hauptamtliche arbeiten bei euch?

In unserem Landesverband sind alle ehrenamtlich. Teilweise haben wir aber Rentner, die das Ehrenamt quasi in Vollzeit ausüben. Unser Verein lebt vom gemeinsamen Engagement.

Vor welchen Herausforderungen habt ihr in der Vergangenheit als Verein gestanden? An welchen Ereignissen ist euer Verein gewachsen?

Während die Gleichberechtigung der Frau vorangetrieben wurde, wurde im gleichen Zuge die gesellschaftliche und rechtliche Benachteiligung des Mannes im Falle einer Trennung verstärkt: Es gibt immer noch zu wenig Anerkennung für die Doppelbelastungen von Männern als Berufstätige und gute Väter. Im Falle einer Trennung wird im Zweifelsfall fast immer zugunsten der Mutter entschieden, die Väter scheinen verzichtbar – egal wieviel sie sich vorher in die Erziehung der Kinder miteingebracht haben. Hier kriegen wir aber auch viel Gegenwind, häufig von persönlich Betroffenen, aber auch von anderen, da das erstmal konservativ klingen mag. Und unausgesprochen gilt irgendwie immer noch: Wenn es der Mutter gut geht, geht es den Kindern gut – aber dass wir Väter auch gut mit Kindern können, dass Kinder auch ihre Väter brauchen, ist bei zu wenigen “auf dem Schirm”.

Konntet ihr die Herausforderung meistern?

Hoffentlich in Zukunft, daran arbeiten wir auch gemeinsam mit Mütterorganisationen – wir wollen ein Miteinander von Mutter und Vater erreichen. Ansonsten versuchen wir kleine Fortschritte zu machen, in dem wir Väter und Mütter beraten, bei außergerichtlichen Einigungen mit beiden Elternteilen vermitteln, helfen, alle Beteiligten (etwa auch die Großeltern) in den Entscheidungsprozess zu involvieren, oder auch, indem wir Lobbyarbeit machen oder moderierte Beratungsgruppen anbieten.

Worauf seid ihr besonders stolz?

Wenn wir es schaffen, Kindern auch nach einer Trennung einen möglichst unbeschwerten Kontakt zu beiden Eltern zu ermöglichen.. Aber auch, dass durch unsere Arbeit unsere Themen als gesellschaftliches Problem auf Bundesebene wahrgenommen werden und nun eine Diskussion über die Änderung des Familienrechts entstanden ist. Denn häufig zahlen Väter nach einer Trennung ungerecht viel: Sie müssen eine ausreichend große Wohnung haben, damit die Kinder auch zur Hälfte bei ihnen wohnen können, zahlen Lebensmittel und mehr – aber müssen zudem trotzdem für einen Großteil des Unterhalt aufkommen, ohne dass ihre Erziehungsleistung oder ihre Bedeutung für ihr Kind auch anerkannt wird. Außerdem kommt nach und nach in der gesellschaftlichen Debatte an, dass nach einer Trennung beide Elternteile den Kindern als echte Elternteile, nicht als Besuchspapas, erhalten bleiben sollen.

Wo braucht ihr als Verein noch Unterstützung?

Wir suchen weitere Kooperationspartner, z.B. Sportvereine, um z.B. eintägige Fussballworkshops für Elternteile mit ihren Kindern zu geben. Aber auch Kontakte zu Alleinerziehenden oder zu guten Veranstaltungslocations sind wichtig für unsere Arbeit.
Außerdem freuen wir uns über aktive Mitwirkung im Verein, sowohl im Rahmen von Veranstaltungen als auch von weiteren Aktionen. Wir freuen uns über jeden, der Ideen hat und helfen kann, dass nach einer Trennung Eltern weiter gut als Eltern für ihre Kinder da sein können. Wir hätten viel zu tun, sind aber als ehrenamtlich organisierter Verein in unseren Möglichkeiten leider eingeschränkt.

Was könnt ihr im Tausch anbieten?

Hilfe, Beratung und Unterstützung in schwierigen Trennungssituationen und ein tolles und offenes Team-Gefühl bei gemeinsamen Veranstaltungen. Und außerdem das gute Gefühl, Kindern getrennter Eltern das Leben ein klein wenig leichter gemacht zu haben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Mehr Informationen zum Verein findet ihr unter: https://berlin.vafk.de/